Diese Website verwendet ausschließlich technisch notwendige Cookies. Weitere Informationen


KI in der Prävention

Governance, Bias & Predictive Policing



31. Deutscher Präventionstag 2026

Was bedeutet KI in der Prävention?

Künstliche Intelligenz in der Prävention bedeutet, digitale Systeme gezielt dafür zu nutzen, Risiken früher zu erkennen, große Datenmengen besser auszuwerten und präventive Maßnahmen wirksamer zu unterstützen.
Beim 31. Deutschen Präventionstag am 13. und 14. April 2026 in Hannover steht dieses Thema deshalb im Mittelpunkt.

Der Deutsche Präventionstag beschreibt „KI in der Prävention“ nicht als reines Technologiethema, sondern als wachsenden Praxis- und Diskussionsraum, der Sicherheitsbehörden, Bildungsbereiche und soziale Hilfesysteme gleichermaßen betrifft.

KI kann dabei sehr unterschiedliche Formen annehmen: von der Analyse verdächtiger Muster und digitaler Kommunikation über Gesichtserkennung und Verhaltensanalysen bis hin zu unterstützenden Anwendungen in Schule, Justiz und Gewaltprävention.
Entscheidend ist jedoch nicht nur, was technisch möglich ist, sondern wie verantwortungsvoll diese Möglichkeiten eingesetzt werden.

Perspektiven in der Prävention
Von Bias über Recht bis zu operativen Einsatzfeldern wie Predictive Policing und Gewaltprävention
Wissenschaftliche Fundierung
Breite Evidenzbasis für strategische Entscheidungen in Behörden, Bildung und Sozialarbeit
Zentrales Steuerungsprinzip
KI unterstützt – Verantwortung, Bewertung und Eingriffe bleiben beim Menschen
Achsen der Umsetzung
Nur im Zusammenspiel entsteht tragfähige und legitimierte Präventionsarbeit
Executive Summary

Worum es im Kern geht

Der Sammelband bündelt wissenschaftliche Perspektiven auf den Einsatz von KI in der Prävention: von Bias und diskriminierenden Datengrundlagen über rechtliche Herausforderungen und Polizeiarbeit bis zu Predictive Policing, Hasskriminalität im Netz und Chatbots in der Prävention häuslicher Gewalt.

1. KI kann Präventionsarbeit beschleunigen

KI-Systeme können große Datenmengen auswerten, Muster sichtbar machen, repetitive Prozesse unterstützen und digitale Hilfesysteme zugänglicher machen. Besonders relevant ist das dort, wo Geschwindigkeit, Umfang und Strukturierung entscheidend sind.

2. KI kann Risiken ebenso skalieren

Verzerrte Trainingsdaten, Black-Box-Strukturen, Falschpositive Treffer, Intransparenz und unklare Zuständigkeiten können Grundrechtseingriffe verstärken und Entscheidungen in die falsche Richtung treiben.

3. Prävention mit KI ist eine Governance-Aufgabe

KI ist nur dann vertretbar, wenn Datenqualität, Verhältnismäßigkeit, rechtliche Fundierung, Evaluation und menschliche Verantwortung verbindlich abgesichert sind.

Big Points

Drei strategische Schlussfolgerungen

01

KI verstärkt bestehende Strukturen

KI ist kein neutraler Selbstläufer. Sie verstärkt die Qualität oder die Schwächen der Daten, Regeln und institutionellen Routinen, auf denen sie aufsetzt. Gute Prävention braucht daher zuerst saubere Grundlagen.

02

Mehr Daten bedeuten mehr Steuerungsverantwortung

Je datenintensiver Prävention wird, desto stärker rücken Rechtsrahmen, Transparenz, Prüfbarkeit, Rechenschaft und technische Aufsicht in den Mittelpunkt der Umsetzung.

03

Der Mensch bleibt die letzte verantwortliche Instanz

KI kann unterstützen, sortieren und vorbereiten. Verantwortung, Abwägung und Eingriffe mit Grundrechtsrelevanz dürfen jedoch nicht an Maschinen delegiert werden.

Themenfelder

Wo KI in der Prävention konkret diskutiert wird

Die wissenschaftlichen Beiträge zeigen, dass KI in der Prävention kein Einzelthema ist, sondern ein Bündel aus operativen, rechtlichen und gesellschaftlichen Fragestellungen.

Bias & Fairness

Künstliche Intelligenz als Bias-Falle

KI reproduziert Stereotype und Schieflagen, wenn Trainingsdaten verzerrt, historisch belastet oder unzureichend repräsentativ sind. Datenbias und Algorithmenbias werden damit zu einem Kernrisiko präventiver KI-Nutzung.

Recht & Regulierung

Kriminalprävention im rechtlichen Spannungsfeld

Datenschutz, informationelle Selbstbestimmung, Verhältnismäßigkeit und die KI-Verordnung der EU setzen den Rahmen. Viele konkrete Befugnisse und Standards für die Praxis sind jedoch noch nicht abschließend geklärt.

Polizeiarbeit

Gesichtserkennung, Videoanalyse und Datenplattformen

Künstliche neuronale Netze versprechen Effizienz und bessere Auswertung großer Datenlagen. Gleichzeitig steigen Fehlerrisiken, Eingriffsintensität und die Anforderungen an tragfähige Rechtsgrundlagen.

Prognostik

Predictive Policing

Algorithmische Prognosen sollen Risikogebiete und Muster früher sichtbar machen. Die Praxis zeigt jedoch Grenzen bei Datenbasis, Prognosegüte, Evidenz und gesellschaftlicher Legitimation.

Digitale Kommunikation

Extremismus und Hass im Netz

KI kann Hasskommentare, Bots und digitale Kommunikationsmuster erkennen helfen. Dieselben Technologien können jedoch auch extremistische Kommunikation verstärken oder strategisch ausgenutzt werden.

Niedrigschwellige Hilfe

Chatbots in der Gewaltprävention

KI-gestützte Chatbots können Orientierung, Informationen und nächste Schritte vermitteln. Ihr Nutzen hängt stark davon ab, wie gut sie kuratiert, geschützt und an reale Hilfesysteme angebunden sind.

Chancen und Risiken

Der operative Zielkonflikt

Wo KI echten Mehrwert stiften kann

  • Auswertung großer und heterogener Datenbestände
  • Unterstützung bei der Erkennung digitaler Muster und Netzwerke
  • Entlastung bei repetitiven Sichtungs- und Sortierprozessen
  • Früherkennung von Risiken im digitalen Raum
  • Niedrigschwelliger Zugang zu präventiven Informationen und Hilfeangeboten

Wo Governance zwingend eingreifen muss

  • Diskriminierende oder unvollständige Trainingsdaten
  • Black-Box-Strukturen mit geringer Nachvollziehbarkeit
  • Falschpositive Treffer bei Identifikation und Überwachung
  • Profiling, Datenverknüpfung und intensive Grundrechtseingriffe
  • Missbrauchspotenziale durch Manipulation, Automatisierung und unklare Zuständigkeit
„KI ersetzt nicht die menschliche Arbeit, sie kann allenfalls unterstützend wirken.“
Verdichtete Leitlinie aus den Beiträgen des Sammelbands zu Bias, Recht und Polizeiarbeit.
Governance-Agenda

Was Institutionen jetzt systematisch aufsetzen sollten

Wer KI in der Präventionsarbeit produktiv einsetzen will, braucht kein loses Tool-Testing, sondern ein belastbares Betriebsmodell mit fachlicher, rechtlicher und technischer Steuerung.

01

Use Cases klar definieren

Präzise bestimmen, welches Präventionsproblem gelöst werden soll, welche Daten dafür erforderlich sind und welcher Nutzen realistisch erwartet werden kann.

02

Datenbasis prüfen

Repräsentativität, Aktualität, Qualität und mögliche Bias-Muster müssen vor Einführung systematisch bewertet und dokumentiert werden.

03

Rechtsrahmen absichern

Eingriffsintensität, Zweckbindung, Datenschutz und Verhältnismäßigkeit müssen entlang des konkreten Anwendungsszenarios sauber abgesichert werden.

04

Human in the Loop verbindlich verankern

KI darf vorbereiten und unterstützen. Entscheidungen mit Folgen für Personen müssen durch fachlich qualifizierte Menschen überprüft, eingeordnet und verantwortet werden.

05

Monitoring und Evaluation etablieren

Fehlerraten, Falschpositive, tatsächliche Wirkung und mögliche diskriminierende Nebeneffekte müssen fortlaufend gemessen und nachgesteuert werden.

Relevanz für Entscheider

Die Publikation macht deutlich, dass Präventionsorganisationen künftig stärker zwischen technischer Machbarkeit und legitimer Anwendung unterscheiden müssen. Nicht alles, was analysierbar ist, ist automatisch sachgerecht, verhältnismäßig oder rechtlich belastbar.

Operatives Fazit

KI wird in der Prävention keine Randerscheinung bleiben. Der entscheidende Unterschied liegt künftig nicht im bloßen Einsatz von KI, sondern in der Qualität der Governance, mit der Systeme eingeführt, überwacht und begrenzt werden.

Quelle: Wissenschaftliche Begleitschrift „KI in der Prävention“ zum 31. Deutschen Präventionstag mit Beiträgen zu Bias, rechtlichen Herausforderungen, Polizeiarbeit, Predictive Policing, extremistischer Kommunikation, Hasskriminalität im Netz und Chatbots in der Prävention häuslicher Gewalt.

DPT – DEUTSCHER PRÄVENTIONSTAG gemeinnützige Gesellschaft mbH

DPT-Schwerpunktthema: "KI in der Prävention"


Link zum Deutschen Präventionstag
Die KI Präventionsstrategie in der Praxis nutzen?

Ich zeige Ihnen, wie Sie die Standards für Ihre Digital Health Strategie einsetzen.