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KI in Forschung und Wissenschaft aktuell



Management Summary

KI Exzellenzstrategie der Bundesregierung

Im Rahmen der Exzellenzstrategie von Bund und Ländern wird ab Januar 2026 das Exzellenzcluster „Reasonable Artificial Intelligence" an der Technischen Universität Darmstadt für die kommenden sieben Jahre gefördert.
Dies macht die Bundesregierung in ihrer Antwort (21/3357) auf eine Kleine Anfrage mit dem Titel „Strategien und Maßnahmen der Bundesregierung zur Nutzung künstlicher Intelligenz in Forschung und Wissenschaft" deutlich.
Die Bundesregierung positioniert KI als Schlüsseltechnologie und setzt operativ auf föderale Zuständigkeiten, europäische Verzahnung und disziplinspezifische Förderung – mit Fokus auf Recheninfrastruktur, Datenökosysteme, Talentgewinnung und vertrauensbildende Leitplanken.

Quelle: Antwort der Bundesregierung auf Kleine Anfrage „Strategien und Maßnahmen …" (Bundestag, Drucksache 21/3357, 18.12.2025).


Die Bundesregierung hat in ihrer Antwort auf die Kleine Anfrage (Drucksache 21/3357) KI als strategische Schlüsseltechnologie für Wissenschaft und Forschung positioniert – und dabei gleichzeitig zentrale Spannungsfelder benannt: Wie lässt sich KI-Exzellenz fördern, ohne Risiken im realen Einsatz zu unterschätzen?
Genau an diesem Punkt setzen zwei hier vorgestellte aktuelle Veröffentlichungen an.

Der State of Clinical AI Report 2026 des Stanford-Harvard-ARISE-Netzwerks liefert die empirische Antwort auf die Frage, wo KI-Systeme im Klinikalltag tatsächlich Nutzen stiften – und wo sie trotz beeindruckender Benchmark-Ergebnisse weiterhin versagen.
Er unterscheidet echten Fortschritt von technologischem Hype und adressiert damit exakt jene Evidenzbasis, die die Bundesregierung für eine glaubwürdige, datengestützte KI-Förderung im Gesundheits- und Wissenschaftsbereich benötigt.

Die arXiv-Studie „Agents of Chaos" (Shapira et al., Februar 2026) ergänzt diesen Blick um die Risikoebene autonomer KI-Agenten. Anhand von elf dokumentierten Fallstudien zeigt sie, wie selbst in kontrollierten Umgebungen reale Schadensmuster entstehen – von Datenlecks über destruktive Serveraktionen bis hin zu Identitätsfälschungen.
Für eine Exzellenzstrategie, die Recheninfrastruktur, Multi-Agenten-Systeme und agentenbasierte Workflows ausdrücklich fördert, ist dies keine abstrakte Warnung, sondern konkreter Governance-Bedarf.

Beide Publikationen zusammen bilden damit genau jenen Doppelrahmen ab, den eine verantwortungsvolle KI-Exzellenzstrategie braucht:
Förderung des Nutzens auf Basis robuster wissenschaftlicher Evidenz – und Steuerung der Risiken durch belastbare Governance-Strukturen.
Wer die Bundesregierungs-Drucksache 21/3357 ernst nimmt, findet in ARISE und „Agents of Chaos" die aktuell präziseste internationale Referenzliteratur dazu.


Big Points Exzellenzstrategie der Bundesregierung

Sechs Weichenstellungen für KI-Exzellenz in Deutschland

1) Steuerung im föderalen Setup
Hochschulen in Länderzuständigkeit; außeruniversitäre Organisationen rechtlich selbständig. Konsequenz: Umsetzung braucht klare Bund-Länder-Schnittstellen und pragmatische Abstimmung.
2) Rechenleistung als Engpass-Ressource
Anbindung über AI-Factories (u. a. Stuttgart, Jülich) und Ausbau KI-geeigneter HPC-Infrastruktur (NHR) – mit Blick auf internationale Wettbewerbsfähigkeit.
3) Daten-Ökosystem & Interoperabilität
NFDI (seit 2019) als Backbone; zusätzlich Datentreuhandmodelle und im Klinikbereich MII/NUM-Dateninfrastrukturen zur Harmonisierung und datenschutzgerechten Nutzung.
4) Talente: gewinnen, halten, binden
KI-Humboldt-Professuren, Zuse Schools, Postdoc-Programme sowie priorisierte Visa-Bearbeitung für Hochqualifizierte – als Pipeline-Sicherung.
5) Vertrauen & wissenschaftliche Integrität
Leitplanken über DFG-Leitlinien (generative KI) und Empfehlungen zur Wissenschaftskommunikation – plus Rechtssicherheit über AI-Act-Umsetzung.
6) Transfer & Tempo (SPRIND-Logik)
Schnelle, unbürokratische Challenge-Formate und Hebelung von Venture Capital als Beschleuniger für Ausgründungen und marktfähige KI-Lösungen.

Zusammenfassung

Die Bundesregierung beantwortet die Frage nach einer nationalen KI-Strategie für Forschung und Wissenschaft vor allem mit einem Verweis auf bestehende Strukturen: föderale Kompetenzverteilung, rechtlich selbständige Forschungsorganisationen und disziplinspezifische Förderlogiken. Ein zentrales, neues Steuerungsinstrument – vergleichbar der europäischen RAISE-Initiative – ist nicht vorgesehen.

Das strategisch sichtbarste Signal setzt die Exzellenzstrategie von Bund und Ländern: Ab Januar 2026 wird das Cluster „Reasonable Artificial Intelligence" an der TU Darmstadt für sieben Jahre gefördert – als öffentlich benannter Ankerpunkt für methodische KI-Grundlagenforschung in Deutschland.

Darüber hinaus investiert die Bundesregierung gezielt in zwei Hebel: Rechenkapazität – über AI-Factories und den NHR-Verbund – und internationale Talentgewinnung – über KI-Humboldt-Professuren, Zuse-Graduiertenschulen und Postdoc-Programme mit einem Gesamtvolumen von rund 110 Mio. Euro bis 2031. Beides adressiert strukturelle Engpässe, die auch die EU-Kommission als zentrale Schwachstellen benennt.

Was das Dokument offenlässt: konkrete Budgetanteile für KI in der Wissenschaft aus der Hightech Agenda, belastbare Daten zur Abwanderung von KI-Fachkräften sowie ein geschlossenes Konzept für den Zugang von Start-ups und Ausgründungen zu öffentlicher Recheninfrastruktur. Die Bundesregierung verweist hier auf laufende Verwaltungsvorgänge – eine Antwort, die politisch legitim, strategisch aber wenig weisend ist.

Originaldokument
Bundestagsdrucksache 21/3357 (18.12.2025)

Strategien und Maßnahmen der Bundesregierung zur Nutzung künstlicher Intelligenz in Forschung und Wissenschaft.

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